Ja, Unternehmenskommunikation und Marketing stehen gerade im Digitalen vor immer neuen Herausforderungen. Sinkende organische Reichweiten, steigende Erwartungen an die Performance von Unternehmenskanälen und ein wachsendes Bedürfnis nach Authentizität setzen Unternehmen unter Druck. Während klassische Unternehmensseiten auf Social Media oft nur begrenzte Interaktion erzeugen, erzielen persönliche Profile und Postings eine deutlich höhere Aufmerksamkeit. Warum? Echte News von echten Menschen ziehen – und genau hier kommen Corporate Influencer auf Plattformen wie LinkedIn, Instagram und TikTok ins Spiel.
Corporate Influencer sind Mitarbeitende oder enge Verbündete eines Unternehmens, die vornehmlich in den sozialen Medien als authentische Markenbotschafter:innen auftreten. Sie teilen persönliche Einblicke, Fachwissen und Erfahrungen aus ihrem Arbeitsalltag, um eine emotionale Verbindung zur Marke aufzubauen und die Glaubwürdigkeit des Unternehmens zu stärken. Durch ihre Beiträge wirken sie nahbar und vertrauenswürdig, was einen positiven Einfluss auf das Unternehmensimage hat und die offizielle Kommunikation anreichert.
Ein Trend, der vor allem in Zeiten dezentraler Arbeitsstrukturen zugenommen hat – zurecht, wie Marketing-Expertin Dr. Rebecca Belvederesi-Kochs, Geschäftsführerin der Kreativ- und Strategieagentur REBELKO, findet. Als Expertin für digitales Marketing und integrierte Kommunikation geht sie heute auf Zusammenhänge ein und gibt konkrete Tipps, wie man Corporate Influencer Programme erfolgreich aufsetzt.
Menschen vertrauen Menschen mehr als klassischen Unternehmensbotschaften oder Werbebotschaften. Doch das ist noch nicht alles. Außerdem greift hier der sogenannte Social Proof: Wenn unabhängige Stimmen glaubwürdig Positives über ein Unternehmen berichten, bekommen die Botschaften gleich mehr Tiefe und Gewicht. Das gilt insbesondere, wenn Mitarbeitende – ganz gleich, auf welcher Karrierestufe – authentische Einblicke, Fachwissen und Meinungen teilen.
Durch persönliche Postings mit Mehrwert wird Vertrauen geschaffen, was wiederum die Glaubwürdigkeit der gesamten Marke stärkt. Doch das ist nicht der einzige Vorteil. Wenn Corporate Influencer aktiv berichten, erhöht das die Sichtbarkeit des Unternehmens im digitalen Raum und darüber hinaus hat es positive Effekte auf das Employer Branding. Aber der Erfolg stellt sich nicht von alleine ein. So braucht es eine treffsichere Strategie, um die Vorteile auszuschöpfen und damit verbundenen Chancen zu ergreifen.
✅ Organische Reichweite und hohe Glaubwürdigkeit
✅ Gezielte Sichtbarmachung unterschiedlicher Expertisen
✅ Stärkung des Employer Brandings, insbesondere in spezifischen Zielgruppen
✅ Direkter Draht zu relevanten Stakeholdern via Social Media
✅ Förderung der internen Unternehmenskultur durch bessere interne Kommunikation
Wer glaubt, dass Influencer über Nacht entstehen, unterschätzt den Prozess. Ohne langfristige Strategie und Begleitung verlaufen Programme oft im Sande. Zudem muss klar sein, wie individuelle Aktivitäten mit den allgemeinen Unternehmensprozessen harmonieren – von den Markenwerten ganz zu schweigen. Schließlich bringt es wenig, auf dem persönlichen LinkedIn-Profil für mehr Bewerbungen oder Leads zu werben, wenn die dahinterliegenden Prozesse nicht mitziehen und die entsprechenden Abteilungen nicht Hand in Hand arbeiten.
Aber das ist nicht die einzige Hürde. Welche weiteren Risiken gibt es? Ein häufig genannter Einwand ist, dass Corporate Influencer das Unternehmen verlassen könnten. Das ist natürlich eine mögliche Herausforderung – doch der entscheidende Punkt liegt an einer ganz anderen Stelle: Es geht darum, von Anfang an die richtigen Mitarbeitenden auszuwählen und das Programm nachhaltig zu gestalten.
❌ Fehlende interne Akzeptanz – Corporate Influencer müssen sich mit der Initiative identifizieren können
❌ Zu enge inhaltliche Vorgaben – Authentizität darf nicht verloren gehen
❌ Mangelnde Schulung – Die richtige Nutzung von Social Media muss erlernt werden
❌ Fehlende Prozessbegleitung – Ohne Strategie und kontinuierliche Betreuung verliert das Programm an Wirkung
Herausforderungen gibt es einige – doch mit der richtigen Herangehensweise lassen sie sich bewältigen. Wer Corporate Influencer strategisch einbindet und gezielt unterstützt, kann ihre Wirkung langfristig für das Unternehmen nutzen. Damit das gelingt, sind diese vier Erfolgsfaktoren entscheidend:
1. Klare Zielsetzung und Strategie
Ohne Ziel kein Erfolg. Unternehmen müssen definieren, welche Botschaften sie transportieren wollen und welche Zielgruppen angesprochen werden sollen.
2. Interne Akzeptanz und Mitgestaltung
Mitarbeitende müssen das Programm mittragen. Es braucht eine offene Unternehmenskultur, in der Influencer sich wohlfühlen und aktiv partizipieren können.
3. Schulungen und Unterstützung
Nicht jede:r ist Social Media Expert:in. Workshops, Guidelines und Sparringspartner sind essenziell, um Sicherheit zu schaffen.
4. Prozessbegleitung und Feedbackschleifen
Ein Corporate Influencer Programm ist ein kontinuierlicher Lernprozess. Begleitung ist das A & O, damit alle Schritt halten können.
Corporate Influencer sind nicht nur für gewinnorientierte Unternehmen relevant. Auch Organisationen, Institutionen und Wissenschaftseinrichtungen profitieren von dieser Strategie. Gerade in der Wissenschaftskommunikation und im Employer Branding spielen authentische Stimmen eine entscheidende Rolle – sei es, um komplexe Inhalte verständlich zu vermitteln oder um relevante Stakeholder gezielt zu erreichen.
Letztes Jahr haben wir bei REBELKO gemeinsam mit der FH Aachen das #MINTfluencer-Programm auf LinkedIn ins Leben gerufen. Ziel war es, die Öffentlichkeitsarbeit und das Employer Branding der Hochschule zu stärken – und gleichzeitig spannende, glaubwürdige Einblicke in den Hochschulbetrieb zu ermöglichen.
Der Ansatz: Jenseits der offiziellen Hochschulseite auf LinkedIn sollten Mitarbeitende und Professor:innen ihre eigenen, persönlichen Perspektiven einbringen und so authentische Insights in ihre Arbeit geben. Durch abwechslungsreiche und individuelle Beiträge mit Mehrwert für ihre Community trugen sie aktiv zur Markenwahrnehmung der FH Aachen bei.
Damit das Programm nachhaltig Wirkung entfaltet, wurde es strategisch von Grund auf entwickelt:
✅ Auswahl passender Influencer: Die richtigen Personen wurden gezielt identifiziert und für das Programm gewonnen.
✅ Individuelle Workshops: Zur persönlichen Positionierung, um Talente und Stärken zu schärfen und in ihrem Auftritt zu verankern.
✅ Optimierung der LinkedIn-Profile: Die Profile der Teilnehmenden wurden gemeinsam erarbeitet und für eine professionelle Außenwirkung optimiert.
✅ Interne LinkedIn-Gruppe: Als zentrale Plattform für Austausch, Orientierung und Prozessbegleitung.
✅ Wöchentliche Content-Prompts: In den ersten Monaten bekamen die Influencer thematische Impulse, um sie bei der Content-Erstellung zu unterstützen.
Das Ergebnis? Bereits nach kurzer Zeit zeigte sich eine hohe Beteiligung, starkes Engagement und echtes Commitment der Mitarbeitenden. Die persönliche Perspektive stärkte nicht nur die organische Reichweite, sondern auch die Vernetzung innerhalb der Hochschule. Gleichzeitig konnte der offizielle Hochschul-Content durch authentische Beiträge ergänzt werden – ein echter Mehrwert für die gesamte Hochschulkommunikation.
Ganz gleich, ob Unternehmen, Institution oder Organisation: Corporate Influencer Programme bieten enorme Chancen – vorausgesetzt, sie sind strategisch durchdacht, professionell begleitet und nachhaltig angelegt. Fehlt es an Struktur und kontinuierlicher Unterstützung, bleibt das Potenzial oft ungenutzt. Doch wer auf authentische Kommunikation setzt, wird belohnt – mit mehr Sichtbarkeit, größerem Vertrauen und einer starken Marke.
Dr. Rebecca Belvederesi-Kochs ist Kreativ- und Markenstrategin, Autorin sowie Managing Director der Marketing-Agentur REBELKO. Seit 2010 gestaltet sie maßgeschneiderte Branding-, Marketing-, Kommunikations- und Social-Media-Strategien für Unternehmen und Organisationen aus dem B2B-, B2C- und Non-Profit-Bereich. Sie ist Autorin des Standardwerkes „Erfolgreiche PR im Social Web“, welches im renommierten Rheinwerk Verlag erschien.
Dr. Rebecca Belvederesi-Kochs, Managing Director REBELKO